Geschichte der Heliogravüre

 

Die Heliogravüre, die Vorläuferin des modernen, industriellen Kupfertiefdrucks, ist so alt wie die Fotografie. Der schottische Forscher Mungo Ponton und der tschechische Maler Karl Klic (1841-1926) entwickelten unabhängig voneinander eine Methode, Diapositive mit Hilfe lichtempfindlicher Gelatine auf eine Druckplatte zu übertragen. Fast gleichzeitig mit der Erfindung der Fotografie publizierte Mungo Ponton 1839 die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit über die Wirkung der lichtempfindlichen Kaliumbichromat Lösungen auf organische Stoffe wie z. B. Gelatine und Eiweiß.

Er fand heraus, daß sich Chromgelatine (mit Chromsäure sensibilisierte Gelatine) besonders dadurch auszeichnet: Erstens quillt sie nicht in kaltem Wasser, zweitens ist sie in heißem Wasser nicht mehr löslich, und drittens ist sie zwar in durchnäßtem, nicht jedoch in trockenem Zustand resistent gegen Säuren.

Die Geschichte der Heliogravüre reicht zurück bis zu den fotografischen Experimenten von Nicéphore Niépce. 1816 versuchte er, ein Bild so durch eine camera obscura zu projizieren, daß es in eine druckbare Form gebracht werden konnte. Dieser erste recht primitive fotomechanische Prozess heißt Niépce’s Gravure Heliographique.

1839 wurde durch Mungo Ponton und 1840 durch Becquerel bekannt, dass Dichromatin Verbindung mit verschiedenen Tierleimen lichtempfindlich wird.

1850 entdeckte Henry Fox-Talbot die Lichtempfindlichkeit einer Gelatine-Dichromatlösung. 1852 und 1858 ließ er die Technik „Photoglyphic Engraving“patentieren, welche später als Heliogravüre bekannt wurde. Talbot spritzte die sensibilisierte Gelatine direkt auf die Platte und ätzte nach der Belichtung mit Platinumchlorid, später mit wesentlich billigerem Eisenchlorid. Dabei stellte er fest, das sich der Beginn und die Geschwindigkeit des Ätzprozesses mit unterschiedlichen Säurekonzentrationen steuern ließ.

Nachdem 1860 eine Art Pigmentdruckverfahren entwickelt wurde, bei dem das belichtete Pigmentpapier auf ein Druckpapier übertragen und entwickelt wurde, kombinierte Karel Klíc aus Wien 1870 beide Verfahren und stellte 1879 seine ersten „Heliogravüren“ aus. Nicht die Qualität überraschte, denn die französische Firma „Goupil“ produzierte zu dieser Zeit bereits weit aus bessere Heliogravüren, erstaunlich war, daß Karl Klíc lediglich 3 Tage für die Plattenherstellung benötigte, wofür Goupil ganze 3 Wochen brauchte. Goupil benutzte ein völlig anderes Verfahren: Die Druckplatte wurde durch Elektrolyse mit Hilfe einer Abwandlung der Woodbury Methode hergestellt. Karl Klíc behielt sein technisches Wissen geheim, verkaufte nur unter strengen Vorbedingungen einige Details an Firmen, die sich auf fotografische oder fotomechanische Prozesse spezialisiert hatten.

Zwischen 1884 und 1886 wurden wichtige Details zur eigentlichen Technik bekannt, was zur Folge hatte, dass die Heliogravüre mehr und mehr bekannt wurde. Von Interesse war jedoch nur die Möglichkeit, Fotos reproduzieren zu können, wobei Fotografen weniger von dieser Technik Gebrauch machten. Der englische Fotograf Peter Henry Emerson aber erhob 1889 in seinem Buch „Naturalistic Photography“ die Heliogravüre zur unabhängigen Kunstform. Daraufhin erlernten viele Fotografen diese Technik und es war ihnen nun möglich, ihre Ergebnisse besser steuern zu können. Für Andere wurde die Heliogravüre lediglich als reine Reproduktionstechnik gesehen.

Zwischen 1903 und 1917 veröffentlichte Alfred Stieglitz in seinem Magazin „Camera Work“ zahlreiche Heliogravüren, eine Mischung aus künstlerischen Originalarbeiten und Reproduktionen.

1895 hatte Karl Klíc eine neue Erfindung gemacht, die die Technik der Heliogravüre revolutionieren sollte: Statt einer Asphaltbeschichtung wurde nun ein Rasterfilm mitbelichtet und die Kupferplatte wurde durch Druckzylinder ersetzt. Nach dem Druck wurde das Papier von der Rolle geschnitten und noch einmal auf eine blanke Platte gepresst, um den für die Heliogravüre typischen Plattenrand zu erzeugen. So war es nicht möglich, ein auf diese Weise hergestelltes Blatt von einer klassischen Heliogravüre zu unterscheiden.

1904 entstand aus diesem Verfahren die Rotogravüre (Belichtung mit einem Rasterfilm und anschließender Rotationsdruck), ein Vorläufer des heutigen Offsetdruckes.

Ab 1920 verschwand allmählich die zu teuer gewordene Technik der klassischen Heliogravüre. Übrig geblieben waren Kunstdrucker, Kunstfotografen und Künstler, die die Heliogravüre weiterhin als eigenständiges künstlerisches Medium sahen. Heutige Anwender der Heliogravüre sind wesentlich vielseitiger als ihre Vorgänger. Viele Fotografen sehen in dieser Technik eine Erweiterung ihrer künstlerischen Arbeit, wobei andere Künstler, die eine Fotografie eher als Vorlage für eine Heliogravüre herstellen, die herausragende Qualität und den Charakter einer Heliogravüre als eine besondere Ausdrucksmöglichkeit in den Vordergrund stellen. Ihnen ist es zu verdanken, dass diese ehrwürdige Technik das digitale Zeitalter überleben wird.

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